Überarbeiten mit der eigenen Stimme


DIY Vocal boot

Im intensiven Überarbeitungsprozess an meinem Roman habe ich begonnen, einzelne Kapitel mit dem Audiorecorder direkt vom Word-Dokument aus am Laptop einzulesen. Warum? Um zu hören, ob ein Kapitel fertig ist. Und auch, um nicht in Panik zu verfallen, wenn ich daran denke, dass Lesungen bevorstehen.

Wenn ich mir meine Texte selbst vorlese, hole ich den Hörsinn in den Überarbeitungsprozess. Wie klingt meine Stimme? Welchen Sound hat mein Text? Fließt der Text? Holpert es noch wo? Gibt es Wortwiederholungen, die mir beim Lesen noch nicht aufgefallen sind? Gibt es noch mehr von meinen Lieblings-Füllwörtern, die ich streichen könnte? Gibt es noch zu lange oder zu verschachtelte Sätze, bei denen mir beim Vorlesen die Luft ausgeht?
Interessanterweise entdecke ich beim Einlesen Tippfehler, fehlende Buchstaben etc., die mir auch bei mehreren Lesegängen nicht aufgefallen sind. Die werden gleich beim Vorlesen korrigiert.

Beim Kopf-Auslüftungs-Spaziergang höre ich der großartigen Joanna Penn, eine meiner liebsten Podcasterinnen zu. Ich liebe ihre Stimme! Und natürlich gibt es von ihr einen Podcast, in dem sie sieben gute Gründe anführt, warum AutorInnen sich überlegen sollten, aus ihren Büchern auch Audiobooks zu machen. Denn: wenn man sich schon die Mühe gemacht hat, ein paar hundert Seiten zu schreiben, warum nicht auch ein Audiobook draus machen und so mehr LeserInnen erreichen?

Einer der Gründe, die sie nennt, ist Schreibenden, die Feedbackgruppen nutzen, bekannt: Das Einlesen eigener Texte verbessert das Schreiben. Wir hören schon beim Vorlesen, wo es noch Überarbeitung braucht: „Reading your work aloud can dramatically improve your writing craft.“

Ein weiterer Grund, der überzeugt, die eigenen Texte auch als Audio-files oder Audiobooks zur Verfügung zu stellen, ist: „Voice builds connection. If people have your voice in their head, it’s an intimate experience.“
Genau das wollen wir Schreibende ja erreichen: connection!

Ich fühle mich definitiv connected mit Joanna Penn, wenn sie mit dem für sie typischen Lachen erzählt, dass sie mit Laptop und Mikro in ihrem begehbaren Kleiderschrank sitzt, um ihre Podcasts aufzunehmen, weil der Kleiderschrank so schön den Schall schluckt. Es ist ihr wieder mal gelungen, mir einen Floh ins Ohr zu setzen!

Als ich von meinem Spaziergang zurückkomme, überlege ich, wo in meiner Wohnung ich eine kleine Tonaufnahme-Höhle einrichten könnte. Ich habe keinen begehbaren Kleiderschrank. Vielleicht bastle ich mir ein DIY Vocal booth (siehe Foto). Das Audio-Abenteuer reizt mich definitiv!

Hast du Erfahrungen damit, deine Texte beim Überarbeiten einzulesen und anzuhören?

P.S.: eine kleine Warnung, bevor du auf Joanna Penns Website gehst. Das könnte dein Leben verändern 🙂 Joanna Penn, die mich 2013 inspiriert hat, diesen Blog zu beginnen, hat es nun auch geschafft, meine Verlegerin zum Bloggen anzustiften. In ihrem brandneuen Blog „Lesenswert“ gibts Interviews, Blogbeiträge, Buchtipps, Veranstaltungshinweise und mehr zum Thema Bücher und Lesen!

Autorin: Johanna Vedral
Zitate: Joanna Penn
Fotoquelle:
http://www.lydmaskinen.dk/

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