Zu viele Bücher?

Wo verläuft die Grenze zwischen bibliophilen Menschen und Bücher-Messies? Ab wann ist ein Mensch, der Bücher liebt, ein Bibliomane bzw. ein Book Hoarder oder gar ein Bücher-Gollum?


Zum Phänomen Book Hoarding finden sich Millionen von Beiträgen im Netz. Es gibt Artikel über berühmte Bibliomanen und die beachtlichen Mengen an Büchern, die sie angesammelt haben. In letzter Zeit sorgte z.B. Karl Lagerfelds Sammlung von 300.000 Büchern für Aufsehen.
Es wird diskutiert, ab wie vielen Büchern oder wie hohen „to be read“ (TBR) Bücherstapeln man zum Club gehört. Es gibt Essays, in denen damit geliebäugelt wird, ob das Sammeln von Büchern edle Bibliophilie oder krankhaftes Book Hoarding sei. „Confessions of Book Hoarders“ sind en vogue, denn auf jeden Fall scheint es leichter, sich zum Büchersammeln zu bekennen als zu anderen Obsessionen.

Solange die Bücher noch im Regal verstaut sind bzw. man noch problemlos durch den Raum gehen kann, in dem sich die Bücher stapeln, kann allerdings nicht im klinischen Sinne von Book Hoarding gesprochen werden. Dafür gibt es klare Kriterien, siehe z.B. in psychologischen Artikeln. Und es gibt jede Menge an Anleitungen, wie man sich von Büchern trennen lernen kann. Auch eine immer größer werdende Zahl von Memoirs, in denen das Phänomen des Hortens von Büchern und anderen Dingen Thema ist, wie das äußerst empfehlenswerte „The Life of Stuff“ von Susannah Walker (auf Deutsch: Was Bleibt. Über die Dinge, die wir zurücklassen).

Ab 1000 Büchern gehört man zum Club. Ich muss gestehen, dass ich alleine schon im Schlafzimmer die 1000er-Marke überschritten habe. Hier stapeln sich die gelesenen Bücher, schön geordnet nach Lebensphasen und Interessensgebieten. Da gibt es die Fantasy-Sammlung, die Lehrbücher, die Bücher übers Schreiben, meine Tagebücher, die Kunsttherapiebücher, die Traumbücher, die Kunstbücher, die Memoir-Sammlung oder die Astrologiebücher. Dass ich in den 90er Jahren wegen mangelnder Regalmeter ein paar Kisten mit feministischen Psychotherapie-Büchern weggegeben habe, daran erinnere ich mich jedes Mal schmerzlich, wenn ich die paar Exemplare wiederfinde, die ich damals nicht weggeben konnte.

Seit es ganz in der Nähe einen offenen Bücherschrank gibt, habe ich es schon geschafft, gut zwanzig Bücher aus der Wohnung rauszutragen. Manchmal überlege ich auch, ob ich nicht besser ein paar Bücher im Holzofen verheizen sollte. Allerdings habe ich im Wohnzimmer ein eigenes „to be read“ (TBR) Regal, in das auch gut 300 Bücher passen, einreihig sortiert. Ich bemühe mich, die frei herumliegenden Stapel regelmäßig im Regal verschwinden zu lassen. Im strengen Wortsinn mache ich mich also nicht des Book Hoardings schuldig, das elegante japanische Vokabel „Tsundoku“ (reading pile) trifft daher auch nicht auf mich zu. Wenn ich jetzt noch öfters abstauben würde, könnte ich aufatmen.

Autorin: Johanna Vedral
Bildquelle: pinterest

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