Schreiben kann gesundheitsfördernd wirken, das ist mittlerweile vielfach belegt. Meine geschätzte Kollegin Karin Macke differenziert in ihrem Blogbeitrag aus, welch vielfältige Heilwirkungen das Schreiben haben kann. Karin ist Autorin, Psychotherapeutin, literarische Performerin (grauenfruppe), leitet Schreibworkshops und ist die Begründerin der Sprachraum Akademie für Text und Therapie.

Schreib dich frei!

Wie hilfreich es sein kann in Stress- oder Krisenzeiten zur Feder zu greifen und sich „von der Seele schreiben“, was uns  bedrückt oder unser (Er)Leben zu reflektieren, kennen viele aus eigenen (Tagebuch)erfahrungen. Die Poesie ist eine der stärksten Ausdrucksmöglichkeiten des Menschen, kann neue Perspektiven aufzeigen, Sprache für Situationen verleihen, wo mündliche Kommunikation nicht mehr funktioniert.

Das Erleben der eigenen Kreativität macht Menschen autonomer und selbstständiger, stärkt das Selbstheilungspotential und fördert seelische Ausgeglichenheit. Es ist wissenschaftlich erwiesen ist, dass Schreiben gesundheitsförderlich wirken kann.

Schreiben als eine Möglichkeit…

– sich selbst neu zu entwerfen ( es ist im Schreiben alles denkbar, alles möglich, es gibt keine Grenzen wie in der Realität – das utopische Potential der Sprache!)

–  Sichtweisen zu ändern und aus den immer selben Mustern auszusteigen, Neues auszuprobieren (auf dem Papier (leichter) möglich, weil ich meine Phantasie mitspielen lassen kann oder aus der Perspektive einer anderen Figur schreiben kann)

Bewertungen zu verändern, indem ich Erfahrungen neu erzähle, auf andere Weise betrachte

– sich emotional zu distanzieren und dadurch von außen betrachten zu können, indem ich alles, was ich erlebt habe, als Material verwende – im Sinne von Respekt vor der Person, aber keinen Respekt vor den Inhalten

– mit Formen und Strukturen zu spielen: dem Chaos in mir einen Ausdruck verleihen können, vom Chaos zur aktiv gestalteten Form

Ängste leichter zugänglich zu machen und Bilder/Ausdrücke dafür zu finden

– Autor*innenschaft/ Urheber*innenschaft zu übernehmen für das eigene Leben, sich das eigene Leben wieder anzueignen

– seelisch zu überleben

– Katalysator für Veränderung

Hoffnung wieder zu erlangen

– der Auseinandersetzung mit sich selbst

– der Aufarbeitung und Veränderung der Innenwelt

– wieder Kreativität und Phantasie im Leben zu integrieren, mit den gestalterischen Ressourcen in Kontakt zu kommen

– der Emanzipation, in dem Verantwortung für sich übernommen wird durch bewusste (Selbst)gestaltung

– des Selbstausdruckes, so gelingt es, sich selbst besser zu verstehen

– wieder in Kontakt zu kommen mit eigenen Gefühlen/Ideen/Wünschen

– der Entschleunigung

–  die eigene Sprache zu finden

– sich selbst auf die Spur kommen

– (sich) zu verändern, zu verwandeln

– die „bessere“ Antwort zu geben, die in der Situation nicht parat war

Zusammenfassend kann also gesagt werden, dass Kreatives Schreiben hilft, sich auszudrücken und schöpferisch tätig zu sein. Der Weg führt von vagen Ideen zu gestalteten Formen – das heißt auch: vom Chaos zu einer Ordnung. So schenkt das Schreiben Entspannung, Freude und Befriedigung.

Schreiben ist ein Weg aus der Einsamkeit hin zum Dialog. In jedem Menschen schlummert ein Schatz an Erfahrungen und Phantasien. Sie aufzuschreiben, bereichert den Kontakt zu anderen Menschen.

Aber Vorsicht…

„Schreibgruppen können das Selbstwertgefühl unterstützen, kreative Prozesse in Gang bringen und erstaunliche Texte hervorbringen, die die Teilnehmenden sich selbst nicht zugetraut hätten. Trotzdem ist Vorsicht geboten. Bei stark traumatisierten Menschen oder an einer Psychose leiden ist Poesietherapie nicht geeignet. Bilder und Assoziationen, die beim therapeutischen Schreiben entstehen, wirken bei ihnen destabilisierend, weil sie sie nicht richtig einordnen können. Bei allen anderen aber fördert Schreiben die Selbstheilungskräfte.“

(Gunhild Seyfert)

Text: Karin Macke
Fotocredits: Didi Sattmann

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